Nukleum – die industrielle Revolution in Sachsen

Von Veröffentlicht am: 28. Oktober 2023
Nucleum
Inhalt

Nukleum war eines unserer Must-Have-Spiele auf der Spiel 23 in Essen. Das Thema sprach uns an, die Optik schreckte uns nicht ab und die Autoren-Kombi (Luciani/Turci) versprach ein gut verzahntes Eurogame. Und wir sind nicht enttäuscht worden. Es ist ein tolles Spiel, welches den Vergleich zu anderen guten Spielen nicht scheuen muss. Aber, ist es wirklich ein neues Brass, nur ohne Bier?

Wir haben uns auf der Messe die englische Ausgabe gekauft. In den kommenden Tagen/Wochen wird das Spiel unter dem Namen Nukleum bei Giant Roc auch auf Deutsch erscheinen. Das Spielmaterial selbst ist übrigens sprachneutral. Die Übersetzung betrifft also nur die Anleitung.

Worum geht es in Nukleum

Im Sachsen des frühen 19. Jahrhundert entwickelte die geniale Elsa von Frühlingsfeld das Nukleum. Diese revolutionierende Erfindung, aus dem Element Uranium Energie herzustellen, veränderte die Industrielandschaft in Sachsen. Aus einer wenig bekannten Region wurde in kurzer Zeit ein Leuchtfeuer wissenschaftlicher und technischer Entwicklung. In dem Spiel übernehmen die Spielenden die Rolle von Industriellen, welche dafür sorgen, dass mehr Uranium gefördert wird und mehr Kraftwerke den Rohstoff verarbeiten können.

Daneben versuchen die Spieler ein Eisenbahn-Transportnetz aufzubauen, um die Uranium-Minen mit den passenden Kraftwerken zu verbinden. Die Schienen-Trassen dienen gleichzeitig als Stromtrassen, mit denen eigene, neu gebaute und neutrale Gebäude mit Strom versorgt werden können.

Nucleum auf dem Spieltisch

Nukleum auf dem Spieltisch

Spielablauf von Nukleum

Vorab: Die kompletten Regeln des Spiels zu erklären, würde hier ein wenig den Rahmen sprengen. Daher geben wir einen groben Einblick, in die Spielabläufe und Ziele des Spiels.

Was macht man in Nukleum?

Nach dem ersten Aufbau stehen 5 Kraftwerke auf dem Spielplan. Eines davon ist bereits für die Verarbeitung von Uranium umgebaut. Die anderen Kraftwerke können, zu Spielbeginn, nur mit Kohle befeuert werden. Die nötige Kohle kann nur gekauft werden, über zwei Kohlegebiete. Dafür sind das Ruhrgebiet und das schlesische Silesia als Liefergebiete vorhanden. Allerdings wird der Kauf von Kohle im Spiel immer teurer.

Ziel der Spieler ist es nun, eigene Netzwerke aufzubauen. Ein Netzwerk sind immer mindestens zwei Städte, an deren Schienenverbindung der Spieler beteiligt ist. In diesen Städten/Orten seiner Netzwerke, kann der Spieler dann eigene Gebäude bauen, seine oder neutrale Gebäude mit Strom versorgen, Kraftwerkserweiterungen (Turbinen) und Minen bauen. Je nach Ort stehen da verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung.

Für den Transport von Kohle und Uranium zu den Kraftwerken, werden ebenfalls die gebauten Schienen-Verbindungen genutzt. Hierbei dürfen aber auch die Schienen der Mitspielenden genutzt werden.

Also, erste Aufgabe: Netze bauen, ein großes oder mehrere kleine Netze, welche vielleicht später miteinander verbunden werden, das ist eine der vielen Entscheidungen, die man im Spiel treffen muss.

Dazu kommen noch einige weitere Aspekte. Viele Aktionen im Spiel triggern Belohnungen. Das können einmalige Boni sein, das können Fortschritte auf den eigenen Einkommensleisten (Geld, Arbeiter, Siegpunkte) sein, oder das Erfüllen von Experimenten. Von den Experiment-Leisten gibt es vier Stück, von denen eines gelost wird, und neben dem eigenen Playerboard liegt. Auch hier kann man Einmal-Boni, dauerhafte Vorteile und Siegpunkte zum Spielende freischalten.

Es gibt zudem noch Verträge, die man erfüllen kann. Die Verträge kann man sich im Spiel holen und diese werden dann ebenfalls an das eigene Playerboard gelegt. Für das Anlegen gibt es erst mal einen Sofortbonus. Erfüllt man dann die Aufgaben auf den Verträgen, gibt es ebenfalls wieder eine Belohnung und der erfüllte Vertrag wird zur Seite gelegt. Die erfüllten Verträge benötigt man später vielleicht noch einmal, um eine andere Verträge zu erfüllen oder für die Schlusswertung.

Am Ende gibt es noch die Meilensteinleiste. Hier werden Marker abgelegt, wenn ein Spieler einen Refresh macht. Im Laufe des Spiels werden Meilensteinpunkte gesammelt (durch die Stromversorgung von Häusern oder durch andere Boni). Diese müssen beim Refresh abgegeben werden und der eigene Milestonemarker kommt dann auf die entsprechende Postion der Leiste, die man erreicht hat. Das bringt dann Nukleum-Marker, mit denen weitere Kraftwerke zur Verarbeitung von Uranium umgebaut werden können. Zudem liegen auf der Milestoneleiste ebenfalls Ziele, welche am Spielende abgerechnet werden. Dabei dienen die eigenen Marker auf der Leiste dann als Multiplikatoren für diese Abrechnung.

Nucleum Hauptspielplan

Nukleum Hauptspielplan

Welche Aktionen gibt es in Nukleum?

Generell wird reihum gespielt. Einer startet das Spiel, und dann ist immer ein Spieler nach dem Anderen dran. Es gibt keine Phasen und auch keine Runden.

Ist ein Spieler am Zug, hat er drei verschiedene Aktionsmöglichkeiten:

  1. Bauen am Schienennetz. Dazu nimmt man einen seiner Aktionsplättchen und legt sie auf eine beliebige freie Eisenbahnstrecke auf dem Spielplan und setzt einen eigenen Arbeiter darauf. Das ist nun ein Abschnitt des Spielers und die angrenzenden Orte sind eines seiner Netze (wenn die Strecke fertig gebaut ist). Jetzt wird geschaut, ob die farblichen Markierungen der Aktionsplättchen passend zu den angrenzenden Orten oder weiteren Schienen-Abschnitten sind. Passen diese überein, werden die Aktionen des Plättchens getriggert. Ist die Strecke vollständig mit Aktionsplättchen belegt, ist die Schienenverbindung fertig gebaut und kann für den Transport von Kohle, Uranium und Strom genutzt werden.
  2. Ein Aktionsplättchen spielen: Der Spieler legt eines seiner Aktionsplättchen und legt es an einen freien Slot, oben an seinem Spieler-Tableau. Nun werden einfach die beiden Aktionen auf dem Plättchen getriggert.
  3. Einen Refresh durchführen: Kann oder möchte ein Spieler keine der beiden ersten Aktionen durchführen, kann er jetzt einen Refresh machen. Er bekommt Einkommen, gemäß dem Fortschritt auf den Einkommensleisten (Geld, Arbeiter, Siegpunkte) und er muss seine Meilensteinpunkte abgeben und seinen Meilensteinmarker auf der dazugehörigen Leiste platzieren. Am Ende bekommt er alle Aktionsplättchen, die am eigenen Playerboard angelegt wurden, wieder zurück und kann sie ab der nächsten Runde wieder nutzen.

Auf den Aktionsplättchen, von denen 30 in einer 2-Spieler-Partie im Spiel sind, gibt es folgende Aktionen:

  • Urbanisieren: Mit dieser Aktion können eigene Wohn- und Regierungsgebäude in Orte des eigenen Netzwerkes gebaut werden.
  • Industrialisieren: Ermöglicht den Bau von Minen (zur Förderung von Uranium) und von Turbinen, welche ermöglichen, im dazugehörigen Kraftwerk mehr wie ein Uranium zu verarbeiten.
  • Entwickeln: Über diese Aktion kann man sich neue Aktionsplättchen aus der Auslage kaufen.
  • Verträge: Mit dieser Aktion kommt man an neue Verträge.
  • Energie liefern: Diese Aktion ermöglicht es, Gebäude auf dem Spielplan mit Strom zu versorgen. Dazu muss Kohle eingekauft werden, welche pro Kohle eine Einheit Energie liefert. Alternativ kann Uranium genutzt werden, welches 2 Energie erzeugt. Beide Rohstoffe müssen zu einem Kraftwerk geliefert werden, welches per Schienennetz mit Minen oder den Kohle-Quellen verbunden ist. Der Strom wird dann, ebenfalls per Schienennetz, an das gewünschte Gebäude geliefert. Bei dem Transport können auch die Schienen der Mitspieler genutzt werden. Passt das alles, dann wird das Gebäudeplättchen umgedreht, man bekommt eine Sofortbelohnung und Siegpunkte am Spielende für das Gebäude.
Nucleum Playerboard mit oben angelegten Aktionsplättchen

Nukleum Playerboard mit oben angelegten Aktionsplättchen und dem Experimente-Board links

Gespielt wird nun so lange, bis 3 der 5 Spielende-Trigger erreicht sind. Da sind folgende:

  • Der Nachziehstapel der Aktionsplättchen ist leer.
  • Alle Verträge sind verteilt.
  • Alle Spieler haben dreimal einen Refresh durchgeführt.
  • Ein Spieler hat alle 8 Technologien seines Experiment-Boards entwickelt.
  • Ein Spieler hat 70 Siegpunkte erreicht.

Sind drei der Trigger erfüllt, wird die aktuelle Runde noch zu Ende gespielt und dann noch eine komplette Runde. Danach erfolgt dann die Auswertung der Siegpunkte. Dort gibt es dann noch Siegpunkte für die Meilensteine, für Ziel-Technologien bei den eigenen Experimenten, für eigene Ressourcen und für die mit Strom versorgten Gebäude.

Wer dann die meisten Siegpunkte hat, ist der Sieger.

Unser Fazit zu Nukleum

Im Netz wird Nukleum immer mit Brass und Wasserkraft verglichen. Den Vergleich zu Wasserkraft können wir nicht beurteilen, weil wir es nicht kennen. Nukleum und Brass haben allerdings einige parallelen. Der Aufbau von Netzwerken per Schienennetz ist hier sicherlich der Auffallendste. Auch das Bauen von Gebäuden, die auf passende Orte in den Städten gebaut werden können, ist eine bekannte Parallele. Das war es, unserer Meinung nach, aber auch schon. Auch wenn das sicherlich zwei zentrale Elemente des Spiels sind, ist Nukleum doch deutlich vielseitiger. Und, das allerwichtigste, es gibt kein Bier in Nukleum.

Ne, im Ernst, Brass bietet sicherlich weniger Möglichkeiten an Siegpunkte zu kommen, hat als Ressourcen nur Kohle, Stahl, Geld und Bier. Es gibt einfach nur Siegpunkte, die im eigenen Netzwerk erreicht werden müssen, durch Gebäude und Schienen/Schiffe. Es gibt keine Meilensteine, keine Verträge und keinerlei BlingBling. Trotzdem bietet das Spiel nicht weniger strategische Herausforderungen, eher im Gegenteil. Schon alleine die Tatsache, dort auch die Ressourcen der Mitspieler nutzen zu können/müssen ist eine tolle Herausforderung. Unterm Strich ist Brass bei uns immer noch weiter oben gerankt als Nukleum.

Dass Nukleum deutlich mehr Möglichkeiten bietet und sich letztlich viel belohnender anfühlt, vermittelt eine andere Art von Spielgefühl, welches zwar Parallelen zum Klassiker hat, es dadurch zu einem guten, eigenständigen Spiel macht.

Schön an Nukleum ist, dass man pausenlos Entscheidungen fällen muss. Das fängt bei der Auswahl der eigenen Netze auf dem Spielplan an, und endet bei der Nutzung der Aktionsplättchen. Nehme ich die zum Schienenbau, dann kann ich die Aktionen davon noch einmal nutzen. Danach ist das Plättchen weg. Oder halte ich es, nutze es als reines Aktionsplättchen öfter im Laufe des Spiels.

Es gibt viele Wege in Nukleum, zum Ziel zu kommen. Der Bau vieler eigener Gebäude kann eine gute Strategie im Spiel sein. Aber auch der Bau von wenigen teuren Regierungsgebäuden, welche dann am Spielende Siegpunkte für alle Gebäude eines Typs (auch die der Mitspieler) im eigenen Netz bringen, kann erfolgreich sein. Dazu müssen die Ziele auf der Meilensteinleiste im Auge behalten werden, welche am Spielende sehr viele Siegpunkte bringen können und noch einiges mehr. Baut man ein großes Netz, oder mehrere kleine Netze, die man später verbindet? Beides kann von Vorteil sein, aber auch gnadenlos scheitern. Kann man die Verträge gut nutzen, um möglichst viele Boni abzugreifen, welche einen Refresh hinauszögern? Zudem muss man immer das Auge auf den Mitspieler haben, so hat Frau Melli mir einmal den kompletten Innenteil des Spielplans verschlossen. Es ging nur noch außen herum zu bauen, und da waren die Wege lang. Wir empfinden daher Nukleum konfrontativer wie Brass. Vermutlich kommt daher der Vergleich zu Wasserkraft? Auf jeden Fall ist Nukleum sehr interaktiv und man kommt sich gelegentlich auf jeden Fall in die Quere. Komplett aneinander vorbeizuspielen ist schwer machbar.

Nucleum im Spiel

Nukleum im Spiel

Daher kann man sich hier schnell im Spiel verlieren oder in eine strategische Paralyse geraten, und sich dabei komplett verheddern.

Sehr gut gefällt uns der variable Spielaufbau. Welche Minen und Gebäudeplätze gesperrt sind, wird vor jeder Partie neu ermittelt. Auch der Standort des ersten Nukleum-Kraftwerks ist variabel. Dazu bieten die vielen Verträge, Aktionsplättchen, Meilenstein-Siegpunkt-Plättchen ausreichend Varianz im Spiel.

Für uns ist auch wichtig, dass eine Zweispieler-Partie ordentlich funktioniert. Und das ist bei Nukleum ebenfalls der Fall. Es gibt einen Spielplan für 2 Spieler, mit kürzeren Schienen-Strecken, und das war es auch schon mit Besonderheiten.

Und, achja, die Farben. Auch hier wieder der Vergleich zu Brass, Nukleum ist quietschbunt. Allerdings stört uns das nicht, im Gegenteil. In Spiel werden einige Aktionen durch farblich passend angelegte Elemente getriggert. Und hier helfen die klaren Farben sehr. Wir haben es lieber so, mit knalligen Farben, als wenn man jedesmal überlegen muss, welche (Pastell)-Farben denn nun übereinstimmen.

Hervorragend gefallen hat uns die Anleitung. Wir haben die englische Version des Spiels und hatten vorsichtshalber die Anleitung mal durch eine Übersetzung-KI laufen lassen. Am Ende haben wir die Übersetzung nicht gebraucht. Die Anleitung ist gut strukturiert, mit vielen wertvollen Beispielen versehen und nach einer Lernpartie waren wir dann „im Spiel“ und wussten, was wir da tun. Eine Runde Nukleum dauert bei uns inzwischen rund 60 Minuten, das Ganze lässt sich recht flüssig herunterspielen.

Alles in allem also ein ausgezeichnetes Spiel, welches auf jeden Fall bei uns bleiben wird.

Brass oder Nukleum? Welches Spiel gefällt Euch besser?

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Informationen zu Nukleum

Nucleum Cover
  • Autor: Simone Luciani, Dávid Turczi

  • Verlag: Board&Dice (auf Deutsch wird es bei Giant Roc erscheinen)

  • Veröffentlicht: 2023

  • Spielerzahl: 1 bis 4

  • Alter: ab 14 Jahre

  • Spieldauer: 60-150 Minuten

  • Kategorie: Expertenspiel

  • Mechanik: Hand-Management| Contracts| Network Building | Action Retrieval | Income | Strategie

  • BGG-Wertung: 8,3 / 10
    Komplexität: 4,05 / 5

Bewertung Nukleum

Super Spiel – dafür sind wir jederzeit bereit

Unsere Spielberichte und Bewertungen beruhen auf subjektiven Ersteindrücken der Spiele. Dabei geht es uns um die Spielidee, die Mechaniken, die Anleitung, das Material, den Wiederspielwert, die Optik, die Spielbarkeit zu zweit und wie es uns gefällt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Letzte Aktualisierung des Beitrages am: 1. November 2023

Danke für das Lesen des Beitrages.

Hinweis: Wenn wir über Spiele berichten, das sind das subjektive (Erst-)Eindrücke, die wir von dem Spiel gesammelt haben. Wir sehen uns nicht als Spielkritiker.

Übrigens: Die Texte auf diesem Blog sind selbst geschrieben und stammen nicht aus einer Text-KI. Allerdings lassen wir inzwischen einige Titelbilder von einer Bilder-KI erstellen. Ihr erkennt diese an den Zauberern, Zwergen oder anderen Wesen, die wir nicht selbst fotografieren können.

Wir freuen uns riesig über Kommentare unter dem Beitrag oder über das hemmungslose Teilen auf den Social Medias.

Herr Tommi "Herr Tommi"Beruflich in der IT unterwegs sind Brettspiele für "Herrn Tommi" die Möglichkeit, einfach mal abzuschalten. Am Abend oder am Wochenende, zusammen mit Frau Melli einfach mal eine Welt retten, einen Zoo aufbauen oder den Mars besiedeln, einen besseren Eskapismus gibt es eigentlich nicht.

Neben den Brettspielen gehören das Radfahren, das Reisen und die Fotografie zu seinen Hobbys. Mehr drüber findet Ihr im Blog www.jansens-pott.de.

One Comment
  1. Jerk 28. Oktober 2023 um 14:50 - Antworten

    @Brettspielpott Normalerweise favorisiere ich ja keine Verlinkungen auf Blogs – rein aus Prinzip. Aber bei dir mache ich immer wieder gerne eine Ausnahme, weil du es ebenfalls (nur) ausnahmsweise tust.Schön geschrieben, für "Leite" kaufe ich aber noch ein "s". 😋 Bei uns soll Nucleum in 'ner viertel Stunde auf den Tisch kommen – bin gespannt.

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