Imperial Steam – Eisenbahn und Industriebau mit Strategie

Von Veröffentlicht am: 11. Januar 2023
Imperial Steam
Inhalt

Endlich ist Imperial Steam auch auf Deutsch erschienen. Da haben wir direkt zugeschlagen und das Spiel ist bei uns eingezogen. In diesem Strategiespiel müssen wir im alten Österreich der Jahre 1839–1857 ein Eisenbahnnetz aufbauen, Fabriken errichten und Waren an Städte liefern. Was sich so nett liest, ist allerdings ein sehr verzwicktes Expertenspiel. Wir möchten Euch das Spiel und unseren ersten Eindruck kurz vorstellen.

Worum geht es in Imperial Steam

Wir bauen ein Eisenbahnnetz auf der österreichischen Südbahn von 1839 bis 1857 auf. In den erschlossenen Orten können dann eigene Fabriken errichtet werden, dessen Waren zu bestimmten Städten geliefert werden. Dazu benötigen wir aber, neben dem Schienennetz, auch Züge und Bahnhöfe, welche uns die Transport- und Lagerkapazitäten zur Verfügung stellen.

Um dies zu erreichen, können die Spieler in jeder Runde mithilfe von Markern aus 11 Hauptaktionen wählen. Zu Spielbeginn stehen drei dieser Marker zur Verfügung, später kommen automatisch zwei weitere hinzu.

Mit den Hauptaktionen können Ressourcen beschafft werden, die einem direkt oder in der kommenden Spielrunde zur Verfügung stehen. Diese müssen aber in Lagern oder auf Zügen abgelegt werden. Zu Spielbeginn hat man nur wenige dieser Lagerplätze, die müssen also ausgebaut werden.

Dazu können mit den Aktionen Bahnhöfe und neue Züge gebaut werden, es können neue Strecken zwischen den Orten auf dem Spielplan gebaut werden, neue Arbeiter rekrutiert und lukrative Verträge gesichert werden, die einem Investoren bringen.

Auch der Bau von Fabriken gehört zu den Hauptaktionen, ebenso wie die Möglichkeit, den eigenen Aktienkurs zu beeinflussen.

Neben diesen Hauptaktionen gibt es noch drei freie Aktionen, die jederzeit gespielt werden können, wenn ein Spieler am Zug ist.

Das Spiel endet, wenn einer der Mitspieler, mit seinem Eisenbahn-Netz die Städte Wien und Triest zu verbinden oder nach 8 Spielrunden. Gewonnen hat am Ende, wer nach der Schlusswertung, das meiste Geld besitzt.

Imperial Steam - Spielaufbau für 2 Personen

Imperial Steam – Spielaufbau für 2 Personen

Eine Spielrunde in Imperial Steam

Eine Spielrunde im Imperial Steam wird in 8 Phasen eingeteilt, die wunderbar auf dem Spieler-Tableau mit Symbolen beschrieben sind. Die meisten der einzelnen Phasen sind Organisationsschritte, die das Spiel für die kommende Runde vorbereiten, Einkommen und Ressourcen liefern und die Zugreihenfolge festlegen. Dadurch sind die Phasen alle schnell gespielt. Das eigentliche Spiel findet dann in Phase 7 statt, welche die meiste Zeit des Spiels beansprucht.

Phase 1: Handmarker einsammeln

Die in der Vorrunde eingesetzten Handmarker werden wieder eingesammelt und in den eigenen Vorrat gelegt.

Phase 2: Lieferungen für den Versandmarkt

Der Versandmarkt wird mit Ressourcen von der Rundenleiste aufgefüllt.

Phase 3: Bestellte Güter entgegennehmen

Hat man in der Vorrunde Ressourcen bestellt, so werden diese nun vom Versandmarkt in die eigenen Lager / Züge geliefert.

Phase 4: Einkommen verbuchen

Eigene Personenwagen und Bahnhöfe liefern Einkommen in Geld.

Phase 5: Arbeiter weiterbilden

Arbeiter, welche in der letzten Runde nicht eingesetzt wurden, bilden sich weiter, rutschen also auf dem Arbeiter-Tableau eine Spalte weiter und haben in der kommenden Runde eine höhere Wertigkeit. Eingesetzte Arbeiter dagegen erholen sich und können in der kommenden Runde wieder eingesetzt werden.

Phase 6: Neue Zugreihenfolge festlegen

Die Zugreihenfolge wird anhand der Spielermarker auf der Einflussleiste neu festgelegt.

Phase 7: Aktionen ausführen

Die Aktionsphase ist der Kern des Spiels. Hier wählen die Spieler abwechselnd ihre Hauptaktionen aus, die dann sofort gespielt werden. Dazu werden die Aktionen mit den eigenen Handmarkern markiert.

Es stehen insgesamt elf Hauptaktionen zur Verfügung:

  • Gleise bauen (Kosten: Güter)
  • Personal (Arbeiter) einstellen (Kosten: Geld, wobei das Personal immer knapper, sprich teurer wird)
  • Gebäude (Fabriken/Bahnhof) bauen (Kosten: Arbeiter / Geld)
  • Güter produzieren (von den eigenen Fabriken nehmen)
  • Güter kaufen oder bestellen (Kosten: Geld)
  • Lokomotiven (Züge) bauen oder aufrüsten (Kosten: Geld)
  • Einen Vertrag sichern (tatsächlich: kostenlos)
  • Nächstenliebe zeigen (Geld zahlen, Einfluss erhöhen)
  • Den eigenen Aktienkurs beeinflussen (Aktienkurs erhöhen kostet Einfluss)
  • Spenden sammeln (einfach ein wenig Geld bekommen)
  • Passen

Neben diesen Hauptaktionen stehen noch drei freie Aktionen zur Verfügung, die jederzeit und beliebig oft im eigenen Spielzug gespielt werden können:

  • Aktien verkaufen (bringt Geld)
  • 1 Gut ausliefern (Waren an eine Stadt liefern, bringt Geld)
  • Zugang zu einer Verbindung der Staatsbahn kaufen (Kostet viel Geld, kann aber das Netz optimieren)

Die Hauptaktionen werden so lange gespielt, bis alle Mitspieler ihre Handmarker eingesetzt haben.

Phase 8: Spielende überprüfen

In der letzten Phase der Spielrunde wird geprüft, ob das Spielende erreicht wird. Dieses ist erreicht, wenn die 8. Spielrunde beendet ist oder wenn in einer vorherigen Runde ein oder mehrere Spieler die Städte Wien und Triest miteinander verbunden haben. Ist das der Fall, wird die Schlusswertung ausgelöst.

Imperial Steam - Spielplan

Imperial Steam – Spielplan

Unser Eindruck von Imperial Steam

Im Rahmen dieses Beitrages auf alle Möglichkeiten im Spiel einzugehen, ist fast unmöglich. Es fängt schon mit der gewaltigen Tischpräsenz und den vielen Boards an. Neben dem Hauptspielplan und dem Spieler-Board gibt es noch für jeden Spieler ein Aktion-Board. Unten auf dem Hauptspielplan befindet sich die Einflussleiste, oben die Rundenleiste. Dann gibt es noch ein Arbeitsmarkt-Tableau und ein Fabrik-Tableau.

Alle diese Boards werden beim Spielaufbau mit zahlreichen Markern und Plättchen vorbereitet. Die Stadtplättchen auf dem Hauptspielplan werden in der ersten Partie nach einem vorgegebenen Muster gesetzt. Ist man mit dem Spiel vertraut, können diese frei gelost werden. Dafür gibt es spezielle Karten, welche die Lage der Knotenpunkt-Städte definieren.

Das Spiel bekommt dadurch eine hohe Varianz. Denn nicht nur die Eigenschaften der einzelnen Orte ändern sich von Spiel zu Spiel. Die Verfügbarkeit von Waren pro Runde, die man vorbestellen kann, ist ebenso variabel wie die ausliegenden Karten mit den Verträgen.

Hier muss man klar sagen, wer sich am Anfang keine fast sechs Seiten Aufbauanleitung antun will, ist bei Imperial Steam falsch aufgehoben. Allerdings haben wir die zweite Runde bereits ohne Anleitung aufgebaut. Hat man das System einmal verstanden, geht das eigentlich recht flott.

Dicke – aber verständliche Regeln.

Aber auch die restliche Anleitung hat es in sich und macht das Spiel auf jeden Fall zum Expertenspiel. Jede der elf Hauptaktionen und die drei freien Aktionen sind ausführlich erklärt. Damit waren wir zu Beginn ein klein wenig überfordert, aber schon im Laufe der ersten Partie mussten wir immer seltener in die Anleitung schauen. Sehr gut: Auf der Rückseite der Anleitung gibt es eine kurze Zusammenfassung der elf Hauptaktionen.

Startregion rund um Wien

Startregion rund um Wien

Ressourcen-Knappheit ist allgegenwärtig

Das Spiel selbst spielt sich dann erstaunlich flüssig, wenn man einmal drinnen ist. Der Reiz, ein gutes Schienennetz aufzubauen, Städte gut zu verbinden, das Ziel Triest im Auge zu behalten, Waren einzukaufen und zu produzieren, ist eine kniffelige Mischung. Ganz besonders deshalb, weil man im Spiel unter chronische Ressourcen-Knappheit leidet.

Ressourcen kosten Geld, und werden um Spielverlauf immer teurer. Daher macht es Sinn, eigene Fabriken zu bauen und dann die Waren von dort, in die passenden Städte zu liefern, was richtig viel Geld einbringt. Allerdings kosten die Fabriken auch wieder Geld und die Verbindungen müssten mit Gütern bezahlt werden. Von diesen kann man aber nur die einsetzten, die man lagern kann und das sind am Anfang sehr wenige. Mehr Lagerplätze kosten aber wieder Geld.

Güter, Ressourcen, die auch zum Bau der Strecken benötigt werden, müssen vorab gelagert werden. Zu Spielbeginn stehen fünf Lagerplätze zur Verfügung, wobei einer auf der Lok nur für Kohle genutzt werden kann. Zum Bau einer Eisenbahnstrecke benötigt man aber mindestens drei Güter, bei Tunneln oder Brücken vier Güter. Die Lagerkapazität kann durch neue Züge ausgebaut werden. Aber, man ahnt es schon, diese neuen Züge sind teuer.

Geld, Verträge, Triest

Geld bringt es ebenfalls, wenn man die gewonnenen Investoren, welche die Verträge mitbringen, dazu nutzt, eigene Aktien zu verkaufen. Aber Vorsicht – denn jeder eingesetzte Investor kosten einem am Spielende 10% seines Vermögens. Setzt man also 10 Investoren ein, hat man am Ende genau 0 Gulden in der Abrechnung. Hier muss man auch ein wenig den Gegenspieler im Auge behalten, wie er sich schlägt.

Apropos Verträge, diese können am Ende des Spiels sehr viel Geld einbringen. Schafft man es aber nicht, die zum Vertrag passenden Fabriken zu bauen, wird aus der hohen Bonus-Zahlung eine ebenso hohe Strafzahlung. Und hier noch ein besonderer Punkt: Erreicht keiner der Spieler die Stadt Triest, sind alle Verträge wertlos. Dann gibt es keine Strafen, aber auch keinen Bonus.

Schienen bauen – in den Bergen auch nicht einfach

Beim ersten Blick auf das Spielfeld und einem groben Blick in die Regeln dachten wir noch, eine Verbindung von Wien nach Triest zu bauen, das kann doch nicht so schwer sein.

Stand jetzt: In der Hälfte unserer Partien ist es keinem von uns gelungen, diese Verbindung zu bauen. Denn Eisenbahnstrecken in den Bergen zu bauen ist nicht so einfach. Dazu muss man Tunnel und Brücken bauen. Dazu muss man aber im Spiel die passenden Facharbeiter haben, den Brückenbauer oder den Tunnelbauer. Zudem kosten diese Streckenabschnitte mehr Ressourcen beim Bau, die man erst einmal kaufen/produzieren und lagern muss.

Imperial Steam - Player Board, Verträge, Arbeitsmarkt, Fabriken

Imperial Steam – Player Board, Verträge, Arbeitsmarkt, Fabriken

Fazit: Uns gefällt Imperial Steam richtig gut

Genau die Mischung aus vielen Möglichkeiten, gepaart mit knappen Ressourcen und dem ständigen Blick auf Einflussmarker und Aktienkursen, ist unser Ding. Wir lieben es beide, aus den knappen Möglichkeiten viel zu erreichen. Wer aber ein belohnendes Spiel sucht, welches wie Revive in einem Zug immer mehr Möglichkeiten erschafft, wird bei Imperial Steam nicht glücklich werden. Es gibt nicht umsonst die Hauptaktion Passen. Uns ist es schon mehrfach im Spiel passiert, dass man einfach nichts mehr machen kann oder sich Ressourcen für die nächste Runde aufsparen will.

Das Spiel ist somit wirklich eine Herausforderung an strategische Planung. Nur nutzen einem die besten Ideen nichts, wenn einem der Mitspieler dabei auch noch in die Quere kommt. Im 2-Spieler-Spiel ist es nicht sooo eng auf dem Spielplan, da kann man auch gut nebeneinander existieren. Trotzdem ist es ärgerlich, wenn einem der Mitspieler eine der begehrten Warenlieferungen in einer Stadt wegschnappt oder den coolen Vertrag, den man eigentlich selbst holen wollte.

Wie zuvor erwähnt, uns gefällt das Spiel wirklich ausgezeichnet. Dazu kommt noch, dass es neben der gewaltigen Tischpräsenz auch noch hübsch anzusehen ist, das Material gut ist und die Regeln wirklich sehr gut geschrieben sind. Eine Frage blieb bei uns offen, da waren wir aber einfach zu blind, um die passende Stelle in der Regel zu finden.

Es ist sicherlich kein Spiel für jeden Tag oder eben zwischendurch. Aber wenn uns mal nach Hirnjogging ist, dann holen wir es gerne aus dem Regal. Sagen wir es so, die Komplexitätswertung von über 4 bei BoardGameGeeks steht da vollkommen zurecht. Denn am Ende fühlt es sich ein wenig an, wie eine Mischung aus Brass und Ultimate Railroads, aber auf Speed. Dass wir nach zwei Partien Imperial Steam, eine Runde Brass zur Entspannung (!) gespielt haben, sagt eigentlich alles.

Informationen zu Imperial Steam

Imperial Steam Cover
  • Autor: Alexander Huemer

  • Verlag: Capstone Games (EN) / Frosted Games (DE)

  • Veröffentlicht: 2021

  • Spielerzahl: 2 bis 4

  • Alter: ab 12 Jahre

  • Spieldauer: 120 Minuten

  • Kategorie: Expertenspiel

  • Mechanik: Network and Route Building| Contracts | Market | Workerplacement | End Game Bonuses | Strategie

  • BGG-Wertung: 7,8 / 10
    Komplexität: 4,13 / 5

Bewertung Imperial Steam

Gutes Spiel – Bleibt vorerst in unserer Sammlung

Unsere Spielberichte und Bewertungen beruhen auf subjektiven Ersteindrücken der Spiele. Dabei geht es uns um die Spielidee, die Mechaniken, die Anleitung, das Material, den Wiederspielwert, die Optik, die Spielbarkeit zu zweit und wie es uns gefällt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Transparenz-Hinweis: Wir haben das Spiel frei im Handel gekauft, ohne Rabatte jeglicher Art oder Kontakt zum Verlag.

Letzte Aktualisierung des Beitrages am: 23. März 2024

Danke für das Lesen des Beitrages.

Hinweis: Wenn wir über Spiele berichten, das sind das subjektive (Erst-)Eindrücke, die wir von dem Spiel gesammelt haben. Wir sehen uns nicht als Spielkritiker.

Übrigens: Die Texte auf diesem Blog sind selbst geschrieben und stammen nicht aus einer Text-KI. Allerdings lassen wir inzwischen einige Titelbilder von einer Bilder-KI erstellen. Ihr erkennt diese an den Zauberern, Zwergen oder anderen Wesen, die wir nicht selbst fotografieren können.

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Herr Tommi Beruflich in der IT unterwegs sind Brettspiele für "Herrn Tommi" die Möglichkeit, einfach mal abzuschalten. Am Abend oder am Wochenende, zusammen mit Frau Melli einfach mal eine Welt retten, einen Zoo aufbauen oder den Mars besiedeln, einen besseren Eskapismus gibt es eigentlich nicht.

Neben den Brettspielen gehören das Radfahren, das Reisen und die Fotografie zu seinen Hobbys. Mehr drüber findet Ihr im Blog www.jansens-pott.de.

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